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Hotel zum Uklei
(Das Elternhaus der Verfasserin Elisabeth Scheer) Das Haus wurde im Jahre 1890 als Logierhaus der Witwe Braasch erbaut. Mein Urgroßvater Heinrich Grimm übernahm es im Jahre 1894, zu einem Zeitpunkt, den man als den eigentlichen Beginn des Fremdenverkehrs in der "Holsteinischen Schweiz" bezeichnet. Er stockte das Gebäude auf, ließ schon kurz nach 1900 elektrisches Licht installieren und errichtete einen Anbau. Das Hotel „Pension Uglei" verfügte über 20 größere und kleinere Fremdenzimmer mit Aussicht auf den Kellersee oder zum Ukleigehege, Restaurant-lokalitäten, Lese-, Billard- und Musikzimmer, auch Lawn-Tennis und einiges mehr. Für seine Gäste besaß der Wirt eine Erlaubnis der Groß-herzoglichen Regierung zum Baden im Kellersee und zum Aufstellen von bis zu vier Badekutschen an einer vorher festgelegten Stelle bei der Rothen Kate. |
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Für den Ausschank von alkoholischen Getränken gab es in den ersten 12 Jahren von der Regierung keine Genehmigung. Es lag angeblich "kein Bedürfnis" dafür vor. Also bekamen die Gäste Milch, Mineralwasser, Kaffee und Tee serviert. Daher wurde der Ort wohl auch in manchen Annoncen als Luft- und Milchkurort bezeichnet.
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Im nahen "Gasthaus zum Uglei" hatte der Wirt August Holzbach aufgrund besserer Beziehungen zur Regierung die erforderliche Genehmigung erhalten. Ab 1906 durften dann auch im "Hotel zum Uklei" "während des Betriebes der Gastwirtschaft in der Zeit vom 15. März bis 31. Oktober" alkoholische Getränke wie Bier und Wein verkauft werden (strenge Sitten). Im Hotel gab es gute Hamburger Küche. Die Pensionsgäste wurden mit einem Glockenzeichen pünktlich zu den Mahlzeiten an die große Tafel gerufen. Die Gäste konnten nach vorheriger Anmeldung vom hauseigenen Fuhrwerk am Bahnhof "Holstein-ische Schweiz" abgeholt werden und auch während ihres Urlaubs Ausflüge mit der Kutsche in die Umgebung buchen.
Damit auch die Trinkwasserversorgung klappte, gab es hauseigene Pumpen am Kellersee und Saugleitungen, durch die das Wasser zuerst von Hand und später maschinell ins Hotel befördert wurde.
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Anstelle der heutigen Kühlschränke hatte man in der Nähe des Hotels ein Kühlhaus mit Strohdach und Torfwänden. Die Eisblöcke zum Kühlen der Lebensmittel wurden im Winter mit Pferd und Wagen aus dem Kellersee geholt und taten ihren Dienst, bis sie geschmolzen waren. Damals waren die Winter in der Regel allerdings noch kälter als heute.
Dora Langbehn, die Tochter meines Urgroßvaters Grimm, setzte das Werk ihres Vaters fort. Sie hatte es besonders schwer, denn in die Zeiten ihrer Verantwortung ab 1924 fielen erst die schwere Wirtschaftslage in der Zeit zwischen den Weltkriegen und schließlich der Zweite Weltkrieg selbst. Schon infolge des "Ruhreinbruches der Franzosen" im Jahre 1923 diente das Hotel der Unterbringung von Ruhr- und Rheinflüchtlingen - ohne ausreichende Einnahmen. Dennoch war sie unermüdlich. Sie ließ eine neue Straßen- und Seefront bauen, richtete ein Restaurant ein und ließ eine Zentralheizung anlegen. |
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Von 1929 - 1936 hatte das Hotel eine sehr schlechte Auslastung. In der Krisenzeit suchten die Gäste preis-wertere Unterkünfte in den ländlichen Gastwirtschaften der nahen Bauern-dörfer auf, die sich mit hauseigener kleiner Landwirtschaft, einigen Kühen, Schweinen und Hühnern recht und schlecht über Wasser halten konnten. Die Urlauber hatten wenig Geld zum Verreisen und verzichteten deshalb auf Komfort.1936 gab es eine Verordnung über das Verbot von Preiserhöhungen (Preisstopp-Verord-nung), d.h. die Pensionspreise
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wurden festgelegt und durften ohne Genehmigung nicht verändert werden. Da die Preise aber so niedrig waren, dass sie die Existenz des Hotels gefährdeten, versuchte meine Großmutter den Pensionspreis von damals 5 RM um 1 RM zu erhöhen. Es bedurfte einiger Bittbriefe an die Behörde mit Schilderung der schwierigen finanziellen Situation, bis sie die Erlaubnis bekam. Die schwerste Krisenzeit begann jedoch 1943 mit der Beschlag-nahme des Hauses, das zunächst von verschiedenen Organisationen und dann ab 1945 von Heimatvertriebenen benutzt wurde. Erst 1948 konnte man behelfsmäßig neu anfangen. Drei Jahre später übernahmen meine Eltern Siegfried und Elisabeth Scheer die alleinige Verantwortung. Nach und nach gelang es, ein Zimmer nach dem anderen frei zu bekommen. Es war ein hartes Stück Arbeit, das heruntergewirtschaftete Haus wieder für Hotelgäste herzurichten. 10 Jahre dauerte die Aufbauarbeit. In dem weitläufigen Gebäude entstanden fließend warmes und kahles Wasser für jedes der 24 Zimmer mit 42 Betten, ebenso eine Zentralheizung. Eine neue, leistungsfähige Brunnenanlage versorgte fortan das Haus aus 64 Metern Tiefe. Die Wasserader wurde von Wünschelrutengängern gefunden, das eisenhaltige Wasser mit einer Enteisungsanlage gereinigt und jährlich untersucht. Das neu entstandene Restaurant hatte Platz für 240 Gäste. Bald zählten Rheinländer und Berliner, aber auch einige Dänen, Holländer, Engländer und Amerikaner zu den Stammgästen und machten das Hotel zu einer der repräsentativsten Beherbergungsstätten der Gegend. Auch die Einheimischen feierten gerne ihre Familienfeste im Hotel zum Uklei, kamen zu Ostern und Pfingsten, zu Kinderfesten, Feuerwehrbällen, Sparclubfesten. Busunternehmen aus Hamburg, Lübeck und von den Ostseebädern brachten viele Gäste zum Mittagessen, Kaffeetrinken und anschließendem Spaziergang um den Ukleisee. 1975 wurde das Haus aus gesundheitlichen Gründen an die Familie Kuhlmann aus Hamburg verkauft. Nach deren Konkurs 1981 war die Kreissparkasse Eutin Eigentümer. Ab 1982 führendie neuen Besitzer Heino und Erika Gülzow aus Raisdorf bei Kiel das Hotel zum Uklei. |
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